Podcast

BERNARDO BAAL • DER SAMMLER

in statu nascendi

Ein Podcast von Bernd Schlipköther

🔊  Episode 1
hören: Portrait berühren

Sprecher: Bernd Schlipköther
Musik und Ton: Wolfgang Kornfeld

Bernardo Baal

soll im deutschsprachigen Sankt Vith, Ostbelgien, geboren sein. Manche behaupten, das würde nicht stimmen, er käme aus der Grafschaft Mark, sei Kaufmannsgehilfe, Buchhalter und Kunsthändler gewesen.

Sicher ist, dass er ein Verfasser versunkener, vergessener Geschichten ist. Er sei – so Baal – ein Sammler von Dokumenten, die an den Wegrändern und in den Seitenstraßen der Vergangenheit, zu finden seien. Er setze, so Baal, die Fundstücke zusammen, kombiniere aus den Resten die Episoden der Handlungen.

Wenigen ist er als Sänger dieser aufgesammelten Geschichten bekannt. Er trägt sie – mache sagen wie ein mittelalterlicher Troubadour – an intimen Orten vor.

Seine Sammlungen vergleicht er mit Schiffswracks auf dem Meeresgrund des Vergessens, gesunken mit der Fracht einer unerschöpflichen Vergangenheit. Er liebe es, so sagt er, danach zu tauchen, die Fracht in Bruchstücken zu heben, sie mit sich herumzuschleppen und sie zusammenzusetzen zu einem neuen Gebilde.

In diesem Podcast hören wir, wer Baal ist und wie er auf 800 Jahre alte Bruchstücke stösst.

Um welche Bruchstücke es sich denn handeln würde, fragte ich ihn. Er ließ hören: „Da ist ein Emporkömmling, ein adeliger Krüppel, eine junge Äbtissin, da sind brandenburgische Panzerreiter, Pariser Gelehrte und Studenten, ein jüdischer Gewürzhändler, boshafte und entrückte Kleriker und anderer menschliche und tierische Gewächse. … Und – übrigens – dieses Sammeln ist ein Unterwegs sein an den verschiedensten Orten dieser Zeit vor 800 Jahren. Verstehen Sie, das ist ein abenteuerlicher Tauchvorgang. Bisweilen sehr ermüdend. Eine lange Reise in einem sehr, sehr fernen und fremden Gebiet.“

Jahre sei er schon unterwegs und wisse immer noch nicht, wann und wo er ankommt und machmal beschleiche ihn der Zweifel daran, ob er überhaupt ankommt. Seine einzigen, quasi zeitlosen Häfen seien die Archive und Bibliotheken.

Episode 1, 1. Teil: Vorrede : Es ist ein Abend im November 1274. Vor dem Stadttor von Dijon begehren Bettler und ein Notar, der einen Alten auf einem edlen Pferd mit sich führt, Einlass in die Stadt. Episode 1, 2. Teil: Wie alles anfing : Es ist Karfreitag vor Ostern 1998. Baal hockt auf dem verfallenen Gutshof seiner Freundin in Hesbay oberhalb der Maas. Es kommt zu einem Zerwürfnis zwischen den Beiden.  

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🔊 Episode 2  : Nur weg von hier        

hören: Portrait (B.B.) oben berühren           

Sprecher: Bernd Schlipköther
Musik und Ton: Wolfgang Kornfeld

Nur weg von hier  

Kurz nach den Ostertagen 1998 erhält Baal den Brief seines ehemaligen Hochschullehrers, dem ostbelgischen Mittelalterhistoriker Dr. Franz, der es zu keiner nennenswerten Bekanntheit über Eupen und Malmedy hinaus geschafft hat. Franz vermittelt Baal einen Forschungsauftrag. Zunächst widerwillig, dann aber von finanzieller Not und dem Wunsch, so schnell wie möglich die Kaschemme in Hesbay verlassen zu können getrieben, reist er in die Altmark Brandenburg. Dort trifft er auf eine brandenburgische Gräfin, die ihn beauftragt, das Leben und die Lebensumstände eines vor 800 Jahren verstorbenen Angehörigen der Familie zu erforschen.  Die Ermittlungen führen Baal zunächst in das Dominikanerkloster Walberberg, dann die Nationalbibliothek in Paris und schließlich für drei Jahre nach Dijon.

2001 wird sein Vertrag mit einer wesentlichen Ergänzung verlängert. Er bezieht Quartier im Anlierwald in den Ardennen. Baal verstrickt sich immer tiefer in die Forschungen. Er schreibt, diese ihm ursprünglich lustlos  erscheinende Sache sei zu einer leidenschaftlichen Ermittlung geworden. „Ich fühle mich einem Insekt gleich eingesponnen in die Vergangenheit. Ich kann diese Geschichte nicht erzählen, ohne nicht Bezug auf mich selbst zu nehmen.“

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🔊 Episode 3:   Die Geburt     

hören: Bild berühren  

Sprecher: Bernd Schlipköther, Musik und Ton: Wolfgang Kornfeld,

Musik: Colette Magny,  la morte me hante.

Guten Abend, meine Damen und Herren!

Sie erinnern sich.

Baals Forschungsauftrag wird von der Gräfin von Alvensleben auf unbestimmte Zeit verlängert mit der ergänzenden Klausel, dass er fortan neben der Familienforschung diverse Aufgaben auf einem Gutshof der von Alvensleben in Bercheaux, einem Kaff unweit des Anlierswalds in den Ardennen, erledigen muss.  Von der Auftraggeberin waren Baal für die Erforschung von Leben und Lebensumständen ihres Vorfahren Conrad von Alvensleben keinerlei Vorgaben gemacht worden. Sie ließ ihm sozusagen freie Hand und anscheinend unbegrenzt Zeit. Ein Vertragsende als zivilrechtliche Bedingung, war, wie es im Vertrag hieß, an den Abschlusses der Forschungen gebunden. Sollte er glücklich sein über diese Verbindung von historischer Forschung und Schweinemast? Nun, wir werden sehen. 

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