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Malerei von Heinrich Micus, Fotografie von Helmut Käsler, Ideen aus Holz von Fuehnebernd
Zu den Nachtansichten 18.9.2021

Fotografie und Malerei rufen wechselvolle Beziehungen hervor. Beide Medien, Licht und Leinwand können einerseits mittels des Sonnenlichts und andererseits mittels des Pinsels versteckte Motive entzaubern, je andere Ideen beschwören, Gefühle wecken, je anderes Wissen vermitteln u.v.a.m.  Die präsentierten Ideen aus dem Natur-/Werkstoff Holz bergen Funktionalität und Spiel in sich. Sie sind angesiedelt zwischen anwendbarer Zweckmäßigkeit und spielerischer Verwendung.

tableaux vivants

Heinrich Micus Werkschau titeln mit einem Verb im einfachen Präsens: „aufbrechen“. So auch der Titel seiner letzten Ausstellung in der Kulturstiftung Abtei Marienmünster.  Aufbrechen meint hier etwas in Bewegung setzen, einen kreativen Anfang machen. So kommt Heinrich Micus auf einen lebendigen Weg, zu einem leidenschaftlich malerischen Unterwegs-Sein. Das regt an und befreit, befreit meisterlich von geschlossenen Formen: Ein spannungsvoller Wechsel, permanent und ohne Monotonie. Ein zunächst chaotisch erscheinendes Gewimmel aus kleinen Flächen, Strichen, unregelmäßigen Bewegungen, die im Seriellen wiederkehren; Verkürzungen, Abbreviaturen von Farbe und Licht. Da kann der Betrachter eine subjektive Geschwindigkeit des Malers nachvollziehen. Wir können in den feinen und groben Farbspuren, den zarten und sich verflüchtigenden Farbschwaden, dem schwebenden Gewebe, eigene Assoziationen anstellen. Die Gemälde von Heinrich Micus machen uns frei für Fantasiereisen.

wood manufacturing

Fuehnebernds Werkstoff ist das Holz. Er betreibt Hand-Werk aus Leidenschaft. Seine Antriebe sind die Liebe zum Holz, das Schreinern, wachsame Augen, Kenntnisse von Holzarten, Verarbeitungsmethoden, Veredelungsformen … über Jahre. Vom Ginko-Bonsai bis zum Sequoia-Riesen von 115 Metern Höhe. Jeder Baum der sechszigtausend Baumarten formt je nach Standort, Nährstoffen und Klimabedingungen im Laufe seines Lebens seine Eigen-Art. Machen Sie sich bekannt mit den Werkarbeiten von Fuehnebernd: dem keltischen Wackellholz, mit HERKULES, der alten, neu gestalteten Doppelhobelbank, dem „Hocker der Standfestigkeit“, einem Obelisk und einer „einsamen“ SOLOVASE, hervorgegangen aus den abgebrochenen Ästen eines ehemaligen Kirschbaums, und anderen „Denk-Malen“.

nature photography

Helmut Käsler richtet den Blick auf versteckte, schnell übersehene Kunstformen der Natur, der gewachsenen und verfallenden Schönheit der Bäume, der Hölzer und ihren Leibern. Es ist der – melancholische – Blick auf die durch die natürlichen Prozesse der Verwitterung geschaffenen Werke der Natur. Sonne, Kälte, Regen, Frost und Wind bringen an den Hölzern ein Kunstschönes hervor, dessen Erscheinungen keine Beständigkeit verheißen. Sie verändern ihre Strukturen, Formen und ihre Farbigkeit. Sie werden in den Fotos Helmut Käslers zur Malerei. Der Fotograf beabsichtigt mit dieser Werkserie beim Betrachter, einmal inne zu halten und den versteckten Kunstformen der Natur nachzuspüren. Die Natur selbst – so Käsler – ist der Akteur in seiner Fotografie.

Hallen des BAJ – Dürkopp TOR 6, August-Bebel-Straße 135–145, Bielefeld